Ziele

Foto: Pia Kobylecky, während der Heimattour des MHKBG NRW mit Ministerin Ina Scharrenbach

Wir werden oft gefragt…

… was es werden soll, wann es denn fertig ist, warum man so etwas macht… was das alles kostet… ob man uns helfen kann:

Was soll es mal werden?

Das zu beantworten, ist nicht mit einem Satz getan. Klar aber ist: Das Klärwerk wird nie wieder seine ursprüngliche Funktion ausführen können. Die Abwasserreinigung findet heute in moderneren Anlagen satt.

Das Klärwerk soll geöffnet und der Besuch einer breiten Gruppe von Menschen ermöglicht werden

Es ist eine der letzten Anlagen aus der Entstehungsgeschichte der Kläranlagen. Damals ist es als ein Palast erbaut worden, seine Konstruktion, Form und Architektur wird nicht nur in Fachkreisen bestaunt, sondern es zieht jeden Besucher (und auch uns selbst) in seinen Bann.

Es ist, kurz vor dem heute uns so beherrschenden Zeitgeschmack unserer Gesellschaft – praktisch, funktional und frei von Schnörkeln – welcher auch im „Bauhaus“ zu ergründen ist, im späten Jugendstil entstanden. Es sollte funktional sein und zusätzlich die Ästhetik eines Kunstwerks besitzen. Merkmale des Jugendstils im Klärwerk sind fließende Linien, florale oder organische geometrische Formen.

Der Jugendstil war der Aufbruch in die „Moderne“ als eine avantgardistische Kunstrichtung, fernab vom Mainstream. Das Klärwerk stand im Widerspruch mit der konservativen und etablierten Tradition der Architektur. Ein gutes Beispiel ist der zeitgleich entstandene Krefelder Hauptbahnhof, eine klassische Architektur herrscht dort.

Diese Bedeutung des gern auch in Krefeld eher übersehenen Jugendstils, liegt in der Funktion als eine „Brücke“ zwischen dem traditionellen „Historismus“ und der „Moderne“. Obwohl aus heutiger Sicht der Jugendstil als Kunst-Bewegung eine vergleichsweise geringe Ausbreitung fand, ist er dennoch von großer Bedeutung. Aber das muss man selber sehen und kann es im Klärwerk vielleicht besser, als an anderen Orten verstehen. Und das ist eines der erklärten Ziele: das Klärwerk zu öffnen und den Besuch einer breiten Gruppe von Menschen zu ermöglichen.

Die technische Funktion des Klärwerks wollen wir einer möglichst großen breiten Öffentlichkeit zeigen

Das Klärwerk ist durch durch historische technische Funktion ein Industriedenkmal. Und es hat einige weitere technische Denkmäler in sich, wie zum Beispiel Hallenkran, Verteilschieber und die Klärkanäle. Im Rheinland gibt es nur wenige herausragende Industriedenkmäler, Industriekuktur findet stärker im „Ruhrpott“ statt. Das wollen wir aber ändern und vernetze uns dazu mit anderen Orten, zum Beispiel im ERIH, der European Route of Industrial Heritage. Auch ein gutes Ziel, die technische Funktion des Klärwerks einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen.

Es wird ein Ort des Lernens

Aber darüber ist unser Ziel ein weiteres: Wir erkennen seit einiger Zeit, dass die Geschichte der Kanalisation unserer Städte, die Fragen die sich aus Epidemien wie Cholera und Typhus und den Lebensumständen der Bevölkerung in den großen Städten ergaben, die Geschichte des Umweltschutzes und vieles mehr im Klärwerk vielleicht besser erfahrbar ist, als an vielen andern Orten.

Auf Anregung anderer Industriemuseen die im ERIH vernetzt sind, ist der Bedarf als Lernort für das Thema Wasser und Abwasser an uns herangetragen worden. Hintergrund ist die Agenda2030 der Vereinten Nationen UN, in der die Erreichung von 17 Zielen (Social Development Goals, SDGs) vereinbart wurden, um die extreme Armut bis 2030 zu beseitigen. 

Das SDG 6 fordert uns alle auf, bis 2030 den Zugang zu angemessener Sanitärversorgung und Hygiene für alle Menschen zu erreichen. Jeder dritte Mensch auf unserer Erde hat keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Dies führt zu unnötigen Krankheiten und zum Tod. Obwohl große Fortschritte beim Zugang zu sauberem Trinkwasser erzielt wurden, untergraben mangelnde sanitäre Einrichtungen diese Fortschritte. Die negativen Auswirkungen von schlecht behandeltem Abwasser sind ebenso zu reduzieren, die Wasserqualität ist zu verbessern indem wir die Umweltverschmutzung reduzieren, das Ablassen von ungereinigtem Wasser in die Umwelt vermeiden und die Freisetzung von gefährlichen Chemikalien und Materialien minimieren, die Wiederverwendung von Bestandteilen im Abwasser als Recycling weltweit erheblich steigern.

Das historische Klärwerk ist der Ort, an dem vor über hundert Jahren einige der in SDG6 angesprochenen globalen Probleme, bei uns vor der Haustür in Europa, angegangen wurden. Doch auch hier „klären“ wir, anders als bisher gemessen und gemeldet ja gar nicht 100% unseres Abwassers. Ausserdem belasten wir die Umwelt nach wie vor, mit insbesondere enormer Mengen bisher nicht aus dem Abwasser zu entfernender Produkte, wie aktuell diskutiert beispielsweise Mikroplastik.

Wir werden das Klärwerk daher auch für die Erreichung der Ziele der Agenda nutzen, um als ein Ort des Lernens aus der Geschichte, über unsere Gegenwart, für die Zukunft, zu stehen. Das entspricht im Grunde den historischen Bemühungen der Stadt, die zur Errichtung dieses Klärwerks führten. Das Klärwerk klärt nicht mehr, es erklärt.

Die Konkreten Planungen dazu laufen bereits. Zuvor wird zwar noch einige Zeit benötigt das Gebäude zu ertüchtigen, dennoch nutzen wir es im Rahmen von Sonderführungen als ausserschulischen Lernort bereit museumspädagogisch und freuen uns über Anfragen dazu. Kontakt aufnehmen

Ort für Veranstaltungen

Natürlich muss das Klärwerks später auch ein Ort werden, an dem Menschen sich auch ausserhalb des Inhaltes „Industriedenkmal“ und der „musealen Nutzung“ begegnen können. Sei es bei Feiern oder Empfängen. Dafür muss es als eine sogenannte „Veranstaltungsstätte“ zugelassen werden. Dafür sind einige genehmigungsrechtliche und technische Hürden zu nehmen, denn diese Nutzung ist langfristig unumgänglich. Erhalt und auch die in Zukunft notwendigen Investitionen für Instandhaltung und auch den Betrieb als Industriedenkmal und Museum, müssen durch Einnahmen querfinanziert werden. Genauso freuen wir uns daher auch immer über Spenden.

Und warum übernimmt man die Verantwortung für solch ein Denkmal? Tja, das ist schwer zu beantworten. wir glauben das Gebäude hat uns gesucht und nicht wir haben es gefunden. Das Klärwerk haben vier „Kumpels“ zusammen gekauft, ganz nach dem Motto „einer für alle, alles fürs Klärwerk“…

Auslöser war jedenfalls die Idee, das Klärwerk als unser eigenes Büro zu nutzen. Im kleineren leerstehenden Teil, dem Maschinenhaus, wollen wir ein Büro in Haus-in-Haus Bauweise errichten und für unseren Brötchengeber „Querfeldeins“ als dessen Sitz, auch um die Gewerbesteuer dann Krefeld gerne zur Verfügung zu stellen. (-; Am Rande: Querfeldeins macht coole Wassersport- Events in NRW, Teamtrainings in ganz Deutschland. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das alles machen wir jedenfalls, weil wir „denkmalaffin“ sind, denn wir lieben alte Gebäude, die eine Geschichte erzählen, (so wie andere Menschen Loks oder Autos oder…). Und wenn wir was machen, dann aber auch richtig. Man muss es ja einfach machen.

Das Klärwerk stand 20 Jahre verwildert am Rande des schönen Uerdingen herum, es gab zwar viel Gelaber, aber nichts passierte, keine Perspektive. Jetzt hat sich das geändert! Komm doch vorbei, wir er-KLÄREN das dann.

Gibt es in Krefeld noch andere solche Objekte und Initiativen? Ja klar!