Bauarbeiten

Die Instandsetzung und Erforschung des Klärwerks wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Warum es und wie es gesichert werden kann, haben wir hier zusammengefasst:

Phase A
Ende 2018: Übernahme des Denkmals aus städtischem Besitz, nach jahrzehnten Leerstand und Verfall, die neuen Eigentümer haben es privat erworben und sind vier Freunde. Es wurden umfangreichen Untersuchungen zur Substanz, den Schadensbildern und vor allem auch zur Geschichte und Bedeutung des Bauwerks durchgeführt. Das Ergebnis der Untersuchungen hat ergeben, dass das Klärwerk als ein national wertvolles Kulturgut einzuordnen ist. Hier haben drei wesentliche Eigenschaften eine herausragende Rolle gespielt:

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eines der Letzten ersten Klärwerke

Die ersten Klärwerke entstanden um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es war in Europa die Belle Époque, in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg eine Zeit mit sehr starken politischen und sozialen Änderungen, getrieben auch durch durch die Verstädterung als Folge der Industrialisierung – und gleichzeitig ausgeprägten Stilen in Architektur, Literatur und Kunst. Dies alles führte zur Errichtung der Reinigungsanlage in Krefeld, als ein „Palast der Hygiene“. Die Besonderheit ist aber darüber hinaus ihre Einzigartigkeit. Sie ist ein technisches Kulturdenkmal, da sie fast unverändert geblieben ist, die mechanische Abwasserreinigung repräsentiert, deren Technologie noch heute als die erste von vielen Reinigungstufen moderner Klärwerke weltweit weiter lebt.

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eines der ersten vollständig aus Eisen-Beton errichteten Gebäude

Ganz genau ist das Thema noch gar nicht erforscht, aber fest steht: das Klärwerk ist 1908-1909 vollständig aus Eisen-Beton hergestellt worden. Es gibt nur äußerst wenige Bauwerke die diese gerade entstehende neue Bautechnologie vorher schon abgebildet hatten.

Eines der herausragenden Beispiele und wohl der erste „massive and monolithic cube of concrete“ ist der Unity Tempel der Oak Park Unity Church in Oak Park, Illinois, aus dem Jahre 1905, erbaut durch Frank Lloyd Wright.

Auch das Klärwerk ist „aus einem Guss“, es existieren keine gemauerten Wände. Dazu ist insbesondere auch die Formgebung und Konstruktion des Dachtragwerks bemerkenswert. Ein spannender Vergleich zu einem anderen Bauwerk, den Markthallen in Breslau, ist hier zu finden.

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Wertschätzung von kommunalen Infrastruktur-Maßnahmen

Das Klärwerk wurde zusammen mit den Planungen sehr weitreichender Infrastrukturprojekte der Stadt Krefeld errichtet. Die Geschichte dieser Investitionen und Planungen, der damals in einem der größeren Umbrüche der Industrialisierung stehenden Stadt, sind am Klärwerk nachvollziehbar und „erklärbar“ geblieben. Krefeld wird mit der Tradition seiner herausragenden Seidenverleger und -Weber bis heute untrennbar verbunden. Doch die jüngere Geschichte der Region ist fast verblast, dennoch vielleicht eines der aufregendste Kapitel ihrer Geschichte. Denn die Stadt hatte damals ihre Entwicklung auf eine herausragende Weise selbst in die Hand genommen und geschickt durch Eingemeindungen und z.B. durch die Errichtung eines eigenen Rheinhafens der künstlich und ohne Vorbild auf der grünen Wiese entstand, die Kommunal- und Wirtschaftsgeschichte einer ganzen Region nachhaltig beeinflußt. Dass das Klärwerk sich zur Errichtung gar nicht in Krefeld befand, sondern in der Stadt Uerdingen am Rhein lag, ist eine der zahlreichen Facetten die es zu erzählen gibt.

Diese Forschungsergebnisse haben zur veränderten Bewertung des „Denkmals“ zu einem über die Region hinaus wertvollen Kulturerbe geführt. Die Eigentümer, vier Freunde, sind der Überzeugung, dass das Denkmal in Zukunft öffentlich und erlebbar sein muss und öffnen das Klärwerk als Museum und Industriedenkmal gerne für Besucher.

Gefördert aus dem Denkmalförderungsprogramm 
des Landes NRW
Gefördert aus dem Denkmalförderungsprogramm
des Landes NRW



Bauphase B, läuft seit Mai 2020 – 2022
In der aktuell laufenden Bauphase werden das Betriebsleiter-Wohnhaus saniert und Teile des Maschinenhauses instand gesetzt. Bauphase B wird aus dem Denkmalförderungsprogramm des Landes NRW unterstützt.

Bauphase C, Instandsetzung der Klärhalle
Die Klärhalle ist stark beschädigt, aber sie ist der überaus erhaltenswerte „Palast der Hygiene“. Das Schadensbild ist vielfältig und wird seit dem Jahr 2018 genauer untersucht, siehe erster Bericht. Insbesondere die Betonsanierung des historisch bedeutsamen Tragwerks ist eines der wichtigsten Ziele. Die Bundesregierung wird die Maßnahmen unterstützen und erste Schritte zur Reparatur können eingeleitet werden. Siehe: gute Nachrichten fürs Klärwerk

Bauphase D, Stabilisierung der Eisenkonstruktionen
Hallenkran und Verteilschieber sind extrem korrodiert und wurden bereits entlastet um Zeit für Korrosionsschützende Maßnahmen zu gewinnen. Die Bearbeitung der mit Salzen belasteten Metallstrukturen ist eine aufwändige Maßnahme, es müssen mit Wasserhochdruck die Salze aus den Poren gespült werden um dann mit wachshaltiger Emulsion den Kontakt mit Sauerstoff zu unterbrechen und die weitere Korrosion somit zu verlangsamen.

Bauphase E, Dachsanierung Aussenhaut
Das Dach des Gebäudes war ursprünglich mit Schiefer eingedeckt. In einer Sanierung durch die Stadt Krefeld in den 1980ern wurde der Schiefer durch Dachpappe ersetzt, deren Lebensdauer um das mehr als Doppelte bereits überschritten ist. Die Schadensbehebung an der zerfallenden Teerpappe ist zur Zeit die einzige Möglichkeit bis zur Neueindeckung mit Schiefer die erforderliche Zeit zu gewinnen. Diese kann jedoch aus technischen Gründen erst nach Abschluss der Beton-Tragwerksanierung aus Phase C erfolgen.

Bauphase F, Putzstabilisierugen
Der heute so oft verwendete „Sichtbeton“ war damals unüblich. Auch für Klärwerke. Hier wurde Eisenbeton (siehe oben unter 2) verwendet und dies war für das Auge dermaßen ungewöhnlich, dass Gebäude aus dieser Zeit sämtlich verputzt wurden, um ein annehmbares Äußeres herzustellen. Beim Klärwerk wurde der Putz aufgetragen und mit großen Kämmen an der Fassade herunter gezogen. Durch mangelhafte Dacheindeckung (Siehe Bauphase E, Dachsanierung Aussenhaut) ist auch der Putz in Mitleidenschaft gezogen, Graffitikünstler haben dazu ihre herausragende Architekturexpertise unter Beweis gestellt und den über ein Jahrhundert alten strukturierten Putz „übermalt“.