Hauptsache es ist schön

Dieser geniale Spruch steht über dem Tor der Klärhalle. Jeder Besucher fragt uns, ob wir das daran geschrieben haben?
Nein, es waren Künstler aus Krefeld, die das Klärwerk, grob zwischen den Jahren 1980 und 2000 umgenutzt hatten.
Wechselnde Künstler aus dem Bereich des Keramik-Designs bis zu Glaskunst hatten im Klärwerk sowohl ihre Wirkungsstätte, es wurden aber weit über Krefeld hinaus beachtete Ausstellungen veranstaltet und einige richtig gute Partys.

Der Name einer der letzten Künstlergruppen war „Klärwerk Keramik“. Antje Schwittmann-Schops und Rieke Hartwig waren Klärwerk-Keramik und sind heute das Atelier-Feuerfest. Hier ist der aktuelle Blick hinter die Kulissen, auch mit Masken…

Hauptsache es ist schön

Eines der Zeugnisse aus der Zeit der Künstler im Klärwerk ist dieses weitere tolle Fundstück mit Uwe Winkler von den „Klärwerkern“, der ersten Generation der Künstler:

Gute Nachricht fürs Klärwerk

Der Erhalt und die Sanierung des historischen Klärwerks sowie des Stadtbads I an der Neusser Straße wird durch das Engagement der vier Bundestagsabgeordneten Krefelds, Kerstin Radomski, Ulle Schauws, Otto Fricke und Ansgar Heveling mit Bundesmitteln des BKM gefördert.

Im Klärwerk wird damit, neben wesentlichen Vorarbeiten in der Halle, insbesondere die Sanierung des Betontragwerks in der Klärhalle begonnen werden können. Zur Zeit laufen bereits – durch die Denkmalförderung des Landes NRW unterstützte erste Maßnahmen der Instandsetzung und des Substanzerhaltes am nebenan gelegenen historischen Betriebsleiterwohnhaus auf dem Klärwerkgelände und der kleineren Maschinenhalle. Die Bundesförderung ermöglicht darüber hinaus die Inangriffnahme des Erhalts der einzigartigen Klärhalle, dem Palast der Hygiene.

Genaue Informationen zum Erhaltungskonzept und den anstehenden Arbeiten können gern auch vor Ort, bei den – in Kürze – wieder stattfindenden Besichtigungsmöglichkeiten auf der Baustelle des Industriemuseums, erlebt werden. Wir arbeiten bereits am Hygiene- und Baustellen-Besuchskonzept.

Wir freuen
uns sehr!

Foto: awi-design.de

Was ist „Made in Krefeld“ ?

Kunst und Kultur sind – gerade in schwierigen Zeiten – ein wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft. Gerade auch in Krefeld. Für unsere angespannten Gemüter.

Engagierte Krefelder Bürger hatten, mit Unterstützung ihrer eigenen KMU, einen aussergewöhnlichen Live Kulturabend organisiert, der natürlich „kontaktlos“ und werbefrei ins Netz gestreamt wurde.

Leider hatte sich unsere Stadt aktiv entschieden, nichts davon in ihren Social Media Kanälen zu erzählen. Schade, ärgerlich, aber auch problematisch, wenn offenbar ein selektives Kommunikationsmonopol errichtet ist.

Das „Krefelder“ Team bestand aus dem Musiker Michael-C-Kent, Krähennest-TV mit Kommuniaktionsprofi Peter Lengwenings und Filmproduzent Rudi Dembach, mit Unterstützung von Kawai Deutschland die einen ihrer fantastischen Konzertflügel ins Klärwerk transportierten, den Jungs von Ilbertz Veranstaltungstechnik die für die mystische Beleuchtung sorgten und Christoph Becker, dem Leiter des historischen Klärwerks.

Der Krefelder Fotograf Andreas Willems von AWI-Design hat einige hervorragende Fotos gemacht, die wir gerne hier zeigen:

Das Konzert kann natürlich jederzeit hier nochmals gesehen werden:

Bleibt gesund!

Barpiano Live Abend aus dem Klärwerk

Am Freitag, 17. April, verwandelt sich das leerstehende Klärwerk am Rundweg in eine virtuelle Pianobar: Ab 20:30 Uhr wird dort der Krefelder Musiker und Sänger Michael C. Kent im Stil eines Bar-Pianisten für rund 2 Stunden musizieren. 

live stream ab 20:30Uhr

Covid-19 und der Klimawandel, oder: globale Krisen

Soziale Sicherheit und Gerechtigkeit, die Bewahrung unseres Lebensraums auf dem Planeten, das sind die wichtigsten Ziele, die die Menschheit verfolgen muss.

Bis zum Ausbruch der Corona-Virus Pandemie, waren staatliche Interventionen – in einem so großem Stil wie nun geschehen – keine Lösungsansätze. Stattdessen wurde angenommen, dass der „Markt“ als Problemlöser am besten funktionieren würden. Der Begriff des „Gemeinwohls“ wurde in vielen Lebensbereichen durch den starken Wunsch „Gewinne“ zu erzielen, ersetzt.

Nun aber verbreitet sich das Virus, Regierungen geben in Tagen Billionen aus, Menschen müssen sich einschränken, alles für das Gemeinwohl.

Die gemeinschaftliche Aufgabe besteht nun nicht nur darin, den Virus zu bekämpfen, um danach wieder wie gewohnt weiter zu arbeiten. Das Ziel muss es nun sein, zusammen die sich zunehmend global ausbreitenden Krisen zu bekämpfen, aber dabei nicht zu vergessen, unser Zusammenleben und unsere Gesellschaft dabei humaner, nachhaltiger und sicherer zu gestalten.

Vergleich beider Krisen: Covid-19 und Klimawandel

  1. Beide Krisen erfordern ein hohes Maß an internationaler Zusammenarbeit.
  2. Beide erfordern von der gesamten Menschheit Verhaltensänderungen.
  3. Beide wurden von vielen Wissenschaftlern, schon für sehr lange Zeit, auch mit großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt.
  4. Beide wurden von den Regierungen vernachlässigt, Wachstumszahlen waren wichtiger.
  5. Beide verlangen nach drastischen Maßnahmen.
  6. Bei beiden Krisen werden Teile des Marktes mit wirtschaftlichen Sanktionen belegt werden müssen
  7. Und nicht zuletzt, beide Krisen werden enorme staatliche Investitionen erfordern

Coronavirus ist aktuell, ist für jeden Einzelnen fühlbar. Die langfristigen Auswirkungen sind noch nicht abzuschätzen. Aber der drohende Abbau von bisher bereits zu schwachen Regeln und Initiativen zum Klimaschutz, der drohenden Schwächung des Schutzes – sozial Geschwächter, – um das Überleben kämpfender Menschen, muss nun genauso entschieden entgegen gewirkt werden.

Optimistisch betrachtet haben wir nun die Chance, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Denn unsere Probleme sind global.

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Über die letzte Führung durchs Klärwerk, beim Ausbruch der Covid-19 Pandemie

Am Sonntag, dem 15.März 2020, fand die vorerst letze Führung durch das historische Klärwerk statt. Für den Termin in Zusammenarbeit mit der VHS Krefeld waren alle Plätze ausgebucht und ich, Christoph Becker als einer der Eigentümer, fuhr sehr nachdenklich zum Klärwerk. Sollten überhaupt noch Menschen kommen? Kann ich aus Sicherheitsgründen die Führung noch stattfinden lassen? Andererseits freute ich mich auf „ein letztes mal“ öffentlicher Kultur in Krefeld..

Die Auswirkungen der Epidemie waren an diesem Sonntag bereits zu spüren, der Schulbetrieb sollte ab Montag eingestellt werden, unser aller Leben began sich in immer rascherer Folge zu ändern. Ich beschloss mein „normales“ Programm der Führung durch das Haus grundlegend zu ändern. Einerseits musste ich für Vorsichtsmaßnahmen für mich und die Besucher sorgen: deutlich größerer Abstand untereinander.

Und ich wollte meine Kraft als Historiker nutzen. Den Vortrag begann ich daher mit den Themen Epidemie und Pandemie. Genauer gesagt mit der Cholera . Denn diese Infektionskrankheit breitete sich als Pandemie in den Städten der Welt des 19. Jahrhunderts aus, forderte ungezählte Tote.

Mehr zur Cholera im ER-KLÄRWERK

Feedback zur letzten Sonntagsführung im Klärwerk:

wir hatten gestern die o.g. Führung und ich muss Ihnen sagen, wir waren total begeistert. 

Wirklich so ein wichtiges Thema*, gerade in der aktuellen Zeit und so wunderbar kompetent, kurzweilig, interessant in Bezug auf soviele verbundene Themen (seltene Architektur, Auswirkung auf Gesundheit der Bevölkerung, Geschichte, Verbindungen etc.) von Hr. Christoph Becker dar gebracht. Wir sind immer noch total beeindruckt und so ging es wahrscheinlich allen Teilnehmern, weil irgendwie wollte keiner nach Hause und lauschte auch über die Zeit hinaus noch den Informationen. 

*Da in der Vergangenheit Kanalisation und Klärwerk gerade auf Basis von Epedemien, Pandemien und Seuchen verordnet/ eingerichtet wurden und was das für die Bevölkerung bedeutete und immer noch bedeutet. 

Wir können wirklich nur hoffen, dass Hr. Becker und sein Team, die Idee von einem einzigartigen Museum (wo bereits internationales Interesse gezeigt wird) zu diesem Thema verwirklichen kann und das er alle erdenklich Unterstützung (u.a. Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel etc.) von Seiten der Stadt Krefeld bekommt, die Hürden beseitigen und Steine gar nicht erst in den Weg rollt. Wir können nur hoffen, dass er & sein Team ja nicht die Energie verliert um so etwas emens wichtiges zu schaffen, was die Bevölkerung informiert und z. B. auch als tolle Eventlocation dienen kann (Industrie-Architektur). 

Das wollte ich Ihnen als unser Feedback zu dieser Führung gerne geben, vielleicht können Sie es an entsprechender Stelle weiterleiten. 

Herzlichen Dank 
Mit freundlichen Grüßen 
XXX

40. Geburtstag des Denkmalschutzgesetzes in Nordrhein Westfalen

Heute feiern wir einen besonderen Tag, es ist einerseits der 40. Geburtstag des Denkmalschutzgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen. Dazu muss man wissen: Nordrhein-Westfalen war das letzte der alten Bundesländer, das ein Denkmalschutzgesetz entwickelte.  Umso wichtiger ist es, sich an diesen Tag zu erinnern. Denn Denkmalschutz ist nichts rückgewandtes, sondern schaut in die Zukunft. Denkmäler wie das Klärwerk müssen erhalten werden, sie machen unsere Geschichte erlebbar und ablesbar.

Sehr zu begrüßen ist in diesem Zusammenhang die Erhöhung der Mittel, die für den Denkmalschutz zur Verfügung gestellt wurden.

Der zweite Grund zum Feiern ist, dass das Klärwerk bei der Denkmalförderung des Landes Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2020 berücksichtigt wird. Dringend notwendige Maßnahmen wie Dachreparaturen, Fensterabdichtung können nun begonnen werden. Juchu!

Hier der Link zur Pressemitteilung der Landesregierung

Was tut sich im Klärwerk?

Denkmalförderung

Das Klärwerk bereitet zur Zeit mit Hilfe und Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Krefelds, Ulle Schauws, Kerstin Radomski, Otto Fricke und Ansgar Heveling einen Antrag für eine Denkmalförderung durch die Bundesregierung, Staatsministerin für Kultur und Medien vor, die hoffentlich durch unser Bundesland Nordrhein-Westfalen ebenso gefördert wird.

Obwohl das Klärwerk als ein herausragendes Industriedenkmal gar nicht so groß ist, wie unsere ebenso faszinierenden Zechen, Stahlwerke oder Kokereien, gibt es einige kritische Schäden an der Eisenbeton- Substanz, die dringen saniert werden müssen. Die Antragsunterlagen sind dabei recht umfangreich und die Materie ist kompliziert und muss durch Gutachten und Fachexpertise flankiert werden:

Große Hilfe dabei ist Prof. Dr. Jürgen Schram der Fachhochschule Niederrhein und seine ausserordentliche Chemie- Expertise. Ausserdem vielen Dank dem beratenden Dipl.-Ing. Wilfried Hackenbroch vom IDN Ingenieurbüro, der unteren Denkmalbehörde der Stadt Krefeld, dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, unserer Dipl. Ing. Architektin Betina Böhmer.

Einbrüche

Leider ist in das Klärwerk in letzter Zeit wiederholt eingebrochen worden, durch URBEXer und durch „Sprayer“. Bei den Einbrüchen sind Schäden in Höhe von mehreren tausend Euro verursacht worden. Die Kriminalpolizei Krefeld ermittelt.

Konstruktion und Form

Die Breslauer Markthallen // das Krefelder Klärwerk

Die 1908 entstandenen Hala Targowa, die Markthallen I und II in Breslau, waren schon zur Entstehungszeit 1908 viel zitierte Referenzbauten des damals neuartigen Baustoffs Eisenbeton. Sie zählen zu den ersten Stahlbetonbauten Deutschlands. Siehe https://core.ac.uk/download/pdf/33434009.pdf

Da die Markthallen aufgrund ihres Tragwerks einige augenscheinliche Ähnlichkeiten zum Klärwerk haben, zudem die Gebäude annähernd zeitgleich errichtet wurden, wird hier die Frage beleuchtet, wie das Krefelder Klärwerk im Kontext zu diesen Bauten zu sehen sein kann. 

VergleichMarkthallen in BreslauCrefelder Reinigungsanlage
TragwerkplanungStahl, später in Eisenbeton geändertEisenbeton
Bauzeit1906 bis 19081908-1909
konstruktives SystemDie äussere Hülle bildet kein konstruktives System mit dem inneren Tragwerk aus EisenbetonDie gesamte Konstruktion, das Fundament, die Wände, das Tragwerk sind ein konstruktives System aus Eisenbeton.
Vergleich der Konstruktionen

Das Tragwerk der Breslauer Markthallen wurde als Eisen-Konstruktion geplant. Erst nach der Fertigstellung des Fundamentes, während der Bauphase, wurde das Tragwerk in eine Eisenbeton-Konstruktion umgeändert. Der Grund für den Investor war wohl: „geringere Bau- und Erhaltungskosten und gefälligeres Aussehen“. Die Fassade aber blieb gleich, neugotischer Backstein kam zur Anwendung.

Historisch betrachtet war Eisenbeton als Tragwerk zwar eine völlig neue Bauweise für die eine neuartige und eigenständige Technologie entwickelt wurde, aber er war dennoch zuerst tradierten Begriffen von Architektur und Konstruktion unterworfen, die nur in die Gegenwart übertragen wurden. 

Exemplarisch galt für die Markthallen: sie nutzten innen die Vorzüge des neuen Materials, blieben aber, von aussen betrachtet, in der gewohnten Hülle aus traditionellen Materialien (Backsteinfassade) und traditionellen Formen (Neogotik). Beim Eisenbeton-Tragwerk der Markthallen wurde bezeichnenderweise durch Bemalung eine genietete Stahlkonstruktion vorgetäuscht. 

Das Krefelder Klärwerk ist mit seiner monolithischen und vollständigen Eisenbeton-Bauweise in der Formensprache des Jugendstils das offensichtliche Bekenntnis zur Symbiose des Baustoffs mit der Gestalt geworden. Diese Form des „Art Nouveau“ als Gesamterscheinung des Gebäudes wurde überhaupt erst mit Eisenbeton möglich und hier konsequent umgesetzt. 

Markthallen konnten vielleicht gar nicht so mutig erbaut werden, es waren die vielbesuchten Orte des pulsierenden Lebens, Eisenbeton sollte erst später seine materialtypische Formbarkeit einem großen Publikum zeigen dürfen. Auch Bauten wie die 1913 fertiggestellte Jahrhunderthalle in Breslau von Architekt Max Berg und Ingenieur Willy Gehler, Ikone der klassischen Architektur-Moderne und heute UNESCO Weltkulturerbe, waren in der Entstehungszeit noch hoch umstritten.

Das Krefelder Klärwerk zeigt jedoch schon 1909, dass der neue Werkstoff Eisenbeton seine materialtypische Formbarkeit bei der Konstruktion von Hallen bereits ausdrücken konnte.

Literatur:

  • Jörg Rehm, Eisenbeton im Hochbau bis 1918,
  • Piotr Berkowski und Marta Kosior-Kazberuk, Construction history survey as an element of technical assessment of market hall from beginnings of the 20th century
  • Dipl. Ing. Georg Böttcher, beton-geschichte-und-anwendung
  • Friedbert Kind-Barkauskas, Bruno Kauhsen, Stefan Polonyi, Beton Atlas
  • Emperger, Fritz: Handbuch für Betonbauten, zweite Auflage, Elfter Band, Markthallen Schlacht- und Viehhöfe, Saal- und Versammlungsbauten, Schornsteine, Fabrikgebäude und Lagerhäuser, Geschäftshäuser, Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin, 1915 
  • Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr.11/1909 
  • Deutsche Bauzeitung, Mitteilung über Zement, Beton- und Eisenbetonbau, Nr.8/1909 
  • Küster H., Die städtischen Markthallen in Breslau, Zentralblatt der Bauverwaltung, XXIX, 11, 1909, s. 74-78.
  • Städtische Markthallen in Breslau, Schweizerische Bauzeitung, 22, 53/54, 1909, s. 310-311.
  • Küster H., Die Verwendung des Eisenbetons bei den Breslauer Markthallen, Deutsches Bauzeitung, VI, 8, 1909, s. 34 – 36.
  • Küster H., Markthalle I am Ritterplatz zu Breslau, Der Industriebau, II, 1911, s. 281 -285.
  • Küchle F., Die städtischen Markthallen am Ritterplatz in Breslau, Ostdeutsche Bau-Zeitung, 16, 7, 1909, s. 93-96.