Covid-19 und der Klimawandel, oder: globale Krisen

Soziale Sicherheit und Gerechtigkeit, die Bewahrung unseres Lebensraums auf dem Planeten, das sind die wichtigsten Ziele, die die Menschheit verfolgen muss.

Bis zum Ausbruch der Corona-Virus Pandemie, waren staatliche Interventionen – in einem so großem Stil wie nun geschehen – keine Lösungsansätze. Stattdessen wurde angenommen, dass der „Markt“ als Problemlöser am besten funktionieren würden. Der Begriff des „Gemeinwohls“ wurde in vielen Lebensbereichen durch den starken Wunsch „Gewinne“ zu erzielen, ersetzt.

Nun aber verbreitet sich das Virus, Regierungen geben in Tagen Billionen aus, Menschen müssen sich einschränken, alles für das Gemeinwohl.

Die gemeinschaftliche Aufgabe besteht nun nicht nur darin, den Virus zu bekämpfen, um danach wieder wie gewohnt weiter zu arbeiten. Das Ziel muss es nun sein, zusammen die sich zunehmend global ausbreitenden Krisen zu bekämpfen, aber dabei nicht zu vergessen, unser Zusammenleben und unsere Gesellschaft dabei humaner, nachhaltiger und sicherer zu gestalten.

Vergleich beider Krisen: Covid-19 und Klimawandel

  1. Beide Krisen erfordern ein hohes Maß an internationaler Zusammenarbeit.
  2. Beide erfordern von der gesamten Menschheit Verhaltensänderungen.
  3. Beide wurden von vielen Wissenschaftlern, schon für sehr lange Zeit, auch mit großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt.
  4. Beide wurden von den Regierungen vernachlässigt, Wachstumszahlen waren wichtiger.
  5. Beide verlangen nach drastischen Maßnahmen.
  6. Bei beiden Krisen werden Teile des Marktes mit wirtschaftlichen Sanktionen belegt werden müssen
  7. Und nicht zuletzt, beide Krisen werden enorme staatliche Investitionen erfordern

Coronavirus ist aktuell, ist für jeden Einzelnen fühlbar. Die langfristigen Auswirkungen sind noch nicht abzuschätzen. Aber der drohende Abbau von bisher bereits zu schwachen Regeln und Initiativen zum Klimaschutz, der drohenden Schwächung des Schutzes – sozial Geschwächter, – um das Überleben kämpfender Menschen, muss nun genauso entschieden entgegen gewirkt werden.

Optimistisch betrachtet haben wir nun die Chance, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Denn unsere Probleme sind global.

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Über die letzte Führung durchs Klärwerk, beim Ausbruch der Covid-19 Pandemie

Am Sonntag, dem 15.März 2020, fand die vorerst letze Führung durch das historische Klärwerk statt. Für den Termin in Zusammenarbeit mit der VHS Krefeld waren alle Plätze ausgebucht und ich, Christoph Becker als einer der Eigentümer, fuhr sehr nachdenklich zum Klärwerk. Sollten überhaupt noch Menschen kommen? Kann ich aus Sicherheitsgründen die Führung noch stattfinden lassen? Andererseits freute ich mich auf „ein letztes mal“ öffentlicher Kultur in Krefeld..

Die Auswirkungen der Epidemie waren an diesem Sonntag bereits zu spüren, der Schulbetrieb sollte ab Montag eingestellt werden, unser aller Leben began sich in immer rascherer Folge zu ändern. Ich beschloss mein „normales“ Programm der Führung durch das Haus grundlegend zu ändern. Einerseits musste ich für Vorsichtsmaßnahmen für mich und die Besucher sorgen: deutlich größerer Abstand untereinander.

Und ich wollte meine Kraft als Historiker nutzen. Den Vortrag begann ich daher mit den Themen Epidemie und Pandemie. Genauer gesagt mit der Cholera . Denn diese Infektionskrankheit breitete sich als Pandemie in den Städten der Welt des 19. Jahrhunderts aus, forderte ungezählte Tote.

Mehr zur Cholera im ER-KLÄRWERK

Feedback zur letzten Sonntagsführung im Klärwerk:

wir hatten gestern die o.g. Führung und ich muss Ihnen sagen, wir waren total begeistert. 

Wirklich so ein wichtiges Thema*, gerade in der aktuellen Zeit und so wunderbar kompetent, kurzweilig, interessant in Bezug auf soviele verbundene Themen (seltene Architektur, Auswirkung auf Gesundheit der Bevölkerung, Geschichte, Verbindungen etc.) von Hr. Christoph Becker dar gebracht. Wir sind immer noch total beeindruckt und so ging es wahrscheinlich allen Teilnehmern, weil irgendwie wollte keiner nach Hause und lauschte auch über die Zeit hinaus noch den Informationen. 

*Da in der Vergangenheit Kanalisation und Klärwerk gerade auf Basis von Epedemien, Pandemien und Seuchen verordnet/ eingerichtet wurden und was das für die Bevölkerung bedeutete und immer noch bedeutet. 

Wir können wirklich nur hoffen, dass Hr. Becker und sein Team, die Idee von einem einzigartigen Museum (wo bereits internationales Interesse gezeigt wird) zu diesem Thema verwirklichen kann und das er alle erdenklich Unterstützung (u.a. Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel etc.) von Seiten der Stadt Krefeld bekommt, die Hürden beseitigen und Steine gar nicht erst in den Weg rollt. Wir können nur hoffen, dass er & sein Team ja nicht die Energie verliert um so etwas emens wichtiges zu schaffen, was die Bevölkerung informiert und z. B. auch als tolle Eventlocation dienen kann (Industrie-Architektur). 

Das wollte ich Ihnen als unser Feedback zu dieser Führung gerne geben, vielleicht können Sie es an entsprechender Stelle weiterleiten. 

Herzlichen Dank 
Mit freundlichen Grüßen 
XXX

40. Geburtstag des Denkmalschutzgesetzes in Nordrhein Westfalen

Heute feiern wir einen besonderen Tag, es ist einerseits der 40. Geburtstag des Denkmalschutzgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen. Dazu muss man wissen: Nordrhein-Westfalen war das letzte der alten Bundesländer, das ein Denkmalschutzgesetz entwickelte.  Umso wichtiger ist es, sich an diesen Tag zu erinnern. Denn Denkmalschutz ist nichts rückgewandtes, sondern schaut in die Zukunft. Denkmäler wie das Klärwerk müssen erhalten werden, sie machen unsere Geschichte erlebbar und ablesbar.

Sehr zu begrüßen ist in diesem Zusammenhang die Erhöhung der Mittel, die für den Denkmalschutz zur Verfügung gestellt wurden.

Der zweite Grund zum Feiern ist, dass das Klärwerk bei der Denkmalförderung des Landes Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2020 berücksichtigt wird. Dringend notwendige Maßnahmen wie Dachreparaturen, Fensterabdichtung können nun begonnen werden. Juchu!

Hier der Link zur Pressemitteilung der Landesregierung

Was tut sich im Klärwerk?

Denkmalförderung

Das Klärwerk bereitet zur Zeit mit Hilfe und Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Krefelds, Ulle Schauws, Kerstin Radomski, Otto Fricke und Ansgar Heveling einen Antrag für eine Denkmalförderung durch die Bundesregierung, Staatsministerin für Kultur und Medien vor, die hoffentlich durch unser Bundesland Nordrhein-Westfalen ebenso gefördert wird.

Obwohl das Klärwerk als ein herausragendes Industriedenkmal gar nicht so groß ist, wie unsere ebenso faszinierenden Zechen, Stahlwerke oder Kokereien, gibt es einige kritische Schäden an der Eisenbeton- Substanz, die dringen saniert werden müssen. Die Antragsunterlagen sind dabei recht umfangreich und die Materie ist kompliziert und muss durch Gutachten und Fachexpertise flankiert werden:

Große Hilfe dabei ist Prof. Dr. Jürgen Schram der Fachhochschule Niederrhein und seine ausserordentliche Chemie- Expertise. Ausserdem vielen Dank dem beratenden Dipl.-Ing. Wilfried Hackenbroch vom IDN Ingenieurbüro, der unteren Denkmalbehörde der Stadt Krefeld, dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, unserer Dipl. Ing. Architektin Betina Böhmer.

Einbrüche

Leider ist in das Klärwerk in letzter Zeit wiederholt eingebrochen worden, durch URBEXer und durch „Sprayer“. Bei den Einbrüchen sind Schäden in Höhe von mehreren tausend Euro verursacht worden. Die Kriminalpolizei Krefeld ermittelt.

Konstruktion und Form

Die Breslauer Markthallen // das Krefelder Klärwerk

Die 1908 entstandenen Hala Targowa, die Markthallen I und II in Breslau, waren schon zur Entstehungszeit 1908 viel zitierte Referenzbauten des damals neuartigen Baustoffs Eisenbeton. Sie zählen zu den ersten Stahlbetonbauten Deutschlands. Siehe https://core.ac.uk/download/pdf/33434009.pdf

Da die Markthallen aufgrund ihres Tragwerks einige augenscheinliche Ähnlichkeiten zum Klärwerk haben, zudem die Gebäude annähernd zeitgleich errichtet wurden, wird hier die Frage beleuchtet, wie das Krefelder Klärwerk im Kontext zu diesen Bauten zu sehen sein kann. 

VergleichMarkthallen in BreslauCrefelder Reinigungsanlage
TragwerkplanungStahl, später in Eisenbeton geändertEisenbeton
Bauzeit1906 bis 19081908-1909
konstruktives SystemDie äussere Hülle bildet kein konstruktives System mit dem inneren Tragwerk aus EisenbetonDie gesamte Konstruktion, das Fundament, die Wände, das Tragwerk sind ein konstruktives System aus Eisenbeton.
Vergleich der Konstruktionen

Das Tragwerk der Breslauer Markthallen wurde als Eisen-Konstruktion geplant. Erst nach der Fertigstellung des Fundamentes, während der Bauphase, wurde das Tragwerk in eine Eisenbeton-Konstruktion umgeändert. Der Grund für den Investor war wohl: „geringere Bau- und Erhaltungskosten und gefälligeres Aussehen“. Die Fassade aber blieb gleich, neugotischer Backstein kam zur Anwendung.

Historisch betrachtet war Eisenbeton als Tragwerk zwar eine völlig neue Bauweise für die eine neuartige und eigenständige Technologie entwickelt wurde, aber er war dennoch zuerst tradierten Begriffen von Architektur und Konstruktion unterworfen, die nur in die Gegenwart übertragen wurden. 

Exemplarisch galt für die Markthallen: sie nutzten innen die Vorzüge des neuen Materials, blieben aber, von aussen betrachtet, in der gewohnten Hülle aus traditionellen Materialien (Backsteinfassade) und traditionellen Formen (Neogotik). Beim Eisenbeton-Tragwerk der Markthallen wurde bezeichnenderweise durch Bemalung eine genietete Stahlkonstruktion vorgetäuscht. 

Das Krefelder Klärwerk ist mit seiner monolithischen und vollständigen Eisenbeton-Bauweise in der Formensprache des Jugendstils das offensichtliche Bekenntnis zur Symbiose des Baustoffs mit der Gestalt geworden. Diese Form des „Art Nouveau“ als Gesamterscheinung des Gebäudes wurde überhaupt erst mit Eisenbeton möglich und hier konsequent umgesetzt. 

Markthallen konnten vielleicht gar nicht so mutig erbaut werden, es waren die vielbesuchten Orte des pulsierenden Lebens, Eisenbeton sollte erst später seine materialtypische Formbarkeit einem großen Publikum zeigen dürfen. Auch Bauten wie die 1913 fertiggestellte Jahrhunderthalle in Breslau von Architekt Max Berg und Ingenieur Willy Gehler, Ikone der klassischen Architektur-Moderne und heute UNESCO Weltkulturerbe, waren in der Entstehungszeit noch hoch umstritten.

Das Krefelder Klärwerk zeigt jedoch schon 1909, dass der neue Werkstoff Eisenbeton seine materialtypische Formbarkeit bei der Konstruktion von Hallen bereits ausdrücken konnte.

Literatur:

  • Jörg Rehm, Eisenbeton im Hochbau bis 1918,
  • Piotr Berkowski und Marta Kosior-Kazberuk, Construction history survey as an element of technical assessment of market hall from beginnings of the 20th century
  • Dipl. Ing. Georg Böttcher, beton-geschichte-und-anwendung
  • Friedbert Kind-Barkauskas, Bruno Kauhsen, Stefan Polonyi, Beton Atlas
  • Emperger, Fritz: Handbuch für Betonbauten, zweite Auflage, Elfter Band, Markthallen Schlacht- und Viehhöfe, Saal- und Versammlungsbauten, Schornsteine, Fabrikgebäude und Lagerhäuser, Geschäftshäuser, Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin, 1915 
  • Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr.11/1909 
  • Deutsche Bauzeitung, Mitteilung über Zement, Beton- und Eisenbetonbau, Nr.8/1909 
  • Küster H., Die städtischen Markthallen in Breslau, Zentralblatt der Bauverwaltung, XXIX, 11, 1909, s. 74-78.
  • Städtische Markthallen in Breslau, Schweizerische Bauzeitung, 22, 53/54, 1909, s. 310-311.
  • Küster H., Die Verwendung des Eisenbetons bei den Breslauer Markthallen, Deutsches Bauzeitung, VI, 8, 1909, s. 34 – 36.
  • Küster H., Markthalle I am Ritterplatz zu Breslau, Der Industriebau, II, 1911, s. 281 -285.
  • Küchle F., Die städtischen Markthallen am Ritterplatz in Breslau, Ostdeutsche Bau-Zeitung, 16, 7, 1909, s. 93-96.

Bremsberg? Seilbahn? Funicular? Oder Wasserballast-Standseilbahn?

Das historische Klärwerk beheimatete eine Anlage zum anheben und transportieren der Loren mit Klärgut, die wir ja vor einigen Monaten bereits wieder freigelegt hatten, [siehe Bremsberghaus].

Funktion: Auf einem doppelten eigenständigen Schienenstrang, der gut 3m Höhendifferenz auf einer Schräge überwindet, wurden die Loren mit dem Klärgut oder dem gewonnenem Sand aus dem Sandfang, auf eigenen Wagen huckepack angehoben und befördert. Aus der erhaltenen Inventarienzeichnung geht hervor, dass das Nebengebäude Bremsberghaus benannt war, die Funktion also ein „Bremsberg“ ist.

Aus einer handschriftlichen Überlieferung und aus industriearchäologisch untersuchten Details wissen wir zudem, dass es sich um ein Seilbahnsystem handelte, das mit Wasser angetrieben wurde. Beide Wagen waren mit einem Drahtseil verbunden und pendelten über mehrere Rollen im oberen Teil des Gebäudes abwechselnd herauf und herunter.

Dazu nutzte man einen grossen Wassertank an der Decke des Bremsberghauses, dessen solide Aufhängung und Abstützung noch gut zu sehen ist. Das Wasser wurde offenbar in den oberen Wagen gefüllt, bis dieser schwerer wurde als der Wagen unten.

Detailzeichnung aus den Inventarienplänen:

Detail Inventarienzeichnung
Detail der Inventarienzeichnung, Seilbahn Bremsberghaus

Woher stammt diese Technik?

B wie BremsBerg, Bergbau? Das einschlägige Handbuch für „Steiger“ liefert folgendes:

Bansen H. (1921) Die Bremsbergförderung. In: Die Streckenförderung. Die Bergwerksmaschinen (Eine Sammlung von Handbüchern für Betriebsbeamte), vol 6. Springer, Berlin, Heidelberg

Bremsberg:
„Auf diesen schiefen Ebenen läßt man die vollen Wagen an Seilen hinunter und nutzt die überschüssige Kraft aus, um gleichzeitig oder später die leeren Wagen aufwärts zu ziehen. Da aber durch diese Arbeitsleistung noch nicht alle überschüssige Kraft aufgebraucht wird, vernichtet man den Rest derselben in Bremsen.“

Eine Sache fällt in dieser Beschreibung auf. Der volle Wagen fährt bergab und zieht den leeren Wagen bergauf, die überschüssige Kraft wird weg gebremst.

Der Duden listet dazu folgendes auf:

„Ein Bremsberg ist eine Fördereinrichtung im Bergbau, bei der auf geneigter Strecke leere Wagen durch gefüllte abwärtsfahrende an Drahtseilen nach oben gezogen werden.“

Das passt so nicht, haben wir gar keine Bremsberg Seilbahn?

Im Klärwerk haben wir es offenbar mit einem anderen System zu tun, der volle Wagen mit dem Klärgut sollte ja aus dem tief liegenden Haus nach oben. Der leere Wagen sollte zurück ins Haus nach unten.

Funis, Funiculus, Funicular, Standseilbahn:

Funicular, von funis, lateinisch für „Seil“, im Sinne von „an einer Schnur oder einem Faden“.

Ein Funicular, auch Standseilbahn, ist ein schienengebundenes Verkehrsmittel, dessen Wagen durch ein oder mehrere Seile bewegt werden. Dadurch können auf kurzer Strecke große Höhenunterschiede überwunden werden. Es verkehren dabei zwei Wagen, die fest mit einem Drahtseil verbunden sind, das in der Bergstation über eine Seilscheibe geführt wird. Die beiden Wagen am Drahtseil halten sich ungefähr im Gleichgewicht, so dass für den Antrieb der Bahn nur kleine Kräfte aufgebracht werden müssen. Der Antrieb erfolgte in der Entstehungszeit der Funiculare oft durch Wasserballast, bis Elektromotoren sich durchsetzten.

Im Klärwerk nutzte man als Ballast Wasser.

Wasserballast?

Mit Wasser als Ballast angetriebene Seilbahn Systeme gibt es bis heute: Bei einer Wasserballast-Standseilbahn wird die Masse des in der Bergstation stehenden Wagens durch Einleiten von Wasser in einen Tank künstlich erhöht. Die Schwerkraft, welche auf die zusätzliche Masse des Wagens wirkt, zieht diesen dann talwärts, wobei der in der Talstation stehende Wagen mittels des über die Seilscheibe laufenden Drahtseils bergwärts gezogen wird. Weil mit der Fahrt die Seillänge und somit das Gewicht des Seils zwischen der Bergstation und dem talwärts fahrenden Wagen stetig zunimmt, zudem die Wagen am Ende der Strecke gebremst werden sollen um nicht anzuschlagen, muss während der Fahrt die Geschwindigkeit durch Bremsen geregelt werden.

Geschichte der Standseilbahnen und Wasserballastbahnen

Die Geschichte der Standseilbahn lässt sich bis ins Jahr 1411 zurückverfolgen, als ein solches Gerät erstmals in einem militärischen Buch dieses Jahres beschrieben wurde. Diese frühesten Standseilbahnen dienten im Wesentlichen dem Transport von Personen und Material zu Burganlagen und Festungen auf Bergkuppen.

Die Hochphase der Standseilbahnen war das ausgehende 19 Jahrhundert, die Anlagen wurden zur Beförderung von Baustoffen, auf Baustellen, bei Staudammprojekten, in den Bergen als Bergbahn für sonst schwierig zu erreichende Berggipfel, aber auch als öffentliches Personentransportsystem in Städten benutzt.

Eine der ersten Wasserballast Seilbahnen ist die Prospect Park Incline Railway an den Niagara Fällen in den USA gewesen, die 1845 eröffnet wurde.

Die erste moderne Standseilbahn die in Europa gebaut wurde, auch eine Wasserballast Standseilbahn war die 1862 zwischen Rue Terme und Croix Rousse in der französischen Stadt Lyon betriebene Anlage. Siehe https://fr.wikipedia.org/wiki/Funiculaire_de_la_rue_Terme

Funiculaire de la rue Terme, siehe hier

Erhaltene in Betrieb befindliche Wasserballastbahnen

Deutschland, Wiesbaden:
Neobergbahn, 1888, in Betrieb. Als letzte Bergbahn dieses Typs in Deutschland ist die Nerobergbahn heute ein technisches Kulturdenkmal.

Neobergbahn, Postkarte, Details siehe Wikimedia, Wikipedia

Schweiz, Fribourg:
Funicular Neuveville – St. Pierre, 04.02.1899
Die letzte Wasserballastbahn der Schweiz. „Kein Motor treibt diese Standseilbahn an, sondern Abwasser aus der Fribourger Oberstadt. Ein ganz spezieller Duft liegt da in der Luft, wenn das Wasser in der Bergstation in den Wassertank unter dem Wagen läuft. Nach der Talfahrt wird das Wasser wieder abgelassen.“
Siehe http://standseilbahnen.ch/fribourg-neuveville.html

Details siehe https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fribourg_funicular.jpg

Portugal, Braga
Elevador do Bom Jesus do Monte, Die Standseilbahn ohne direkten elektrischen Antrieb wurde von Niklaus Riggenbach errichtet und ist nicht nur die älteste der Iberischen Halbinsel, sondern auch die älteste funktionstüchtige Wasserballastbahn der Welt.
Details auch hier

Elevador do Bom Jesus

England, Lynton und Lynmouth an der Nordküste Devons
Lynton & Lynmouth Cliff Railway, 1890

Details siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Lynton_and_Lynmouth_Cliff_Railway

Ausserdem ein interessanter Link zu den Amerikanischen Standseilbahnen. In Amerika war das Prinzip des Funicular, auch in Ausführung von Wasserballastbahnen, sehr verbreitet: Ära der amerikanischen Standseilbahnen

Egal ob Wasserballast-Standseilbahn oder Bremsberg

das Klärwerk hatte eine faszinierende Technik zum Transport der Loren. Einige Fragen bleiben noch offen. Warum ist es Bremsberg benannt?

Lag das vielleicht an den erst offenbar nachträglich angefertigten Inventarienzeichungen, diese sind mit August 1910 datiert, somit erst Jahre nach Baubeginn gezeichnet worden. Wie kamen die Stadtväter auf die Idee, diese recht komplexe Technik einbauen zu lassen, lag es am Zeitgeist, dem Boom dieser Technologie genau zu dieser Zeit?

Oder hat es mit der Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf 1902 zu tun, da jedenfalls sind die führenden Techniker und Technologien ausgestellt worden, auch der deutsche Pionier der Seilbahntechnik, die Firma Adolf Bleichest & Co wa dort, siehe http://www.vonbleichert.eu Unsere Vermutung und mehrere Fäden unserer Forschungen führen zu dieser Ausstellung, auch und insbesondere die vollständige Eisenbeton-Konstruktion des Gebäudes hat vielleicht in Düsseldorf die nötige Inspiration gefunden.

Die Zukunft des „Bremsberges“, oder vielleicht besser „Funiculars“ im Klärwerk?

Wir werden im Rahmen einer Technik AG ein funktionsfähiges Modell anfertigen, danach im Haus in einer 1:1 Rekonstruktion Tests machen und am Ende sollte die Anlage wieder in Betrieb gehen, oder?

Warum ein technisches Kulturdenkmal langfristig erhalten werden muss und warum dies manchmal schwieriger ist

In Gesprächen hören wir recht oft die Bezeichnung „Wasserwerk“. Oder auch nur verkürzt: „aha, ist ja Jugendstil, sieht nett aus, sollte man erhalten“. Noch vor kurzer Zeit wusste niemand mehr so recht, welche genau Funktion im Gebäude war. Man nannte es lieber „Pumpwerk“ (zugegeben, wir auch). „Das ist eine Kläranlage?“ man wollte es gar nicht glauben, dafür sieht das Klärwerk ja fast schon zu „schön“ aus. Seit der Ausserbetriebsetzung 1962 wurde es statt Abriss ab 1980 kräftig umgenutzt, auch umgestaltet. Der Grund war: seine Schönheit. „Hauptsache es ist schön“ steht auch auf „aufgeklebten“ Buchstaben, Künstler sollen diese in den 80ern angebracht haben. Es ist unbestritten „schön“. 

Genauso herausragend ist aber seine technische Funktion und seine spezielle Betonkonstruktion. Dazu genauso wichtig: die tiefen Zusammenhänge, die zur Erschaffung des Klärwerks führten. Wenn wir kurz mal darüber nachdenken, welches Ausmaß die Folgen der industriellen Umwälzungen des 19. und 20. Jahrhunderts auf unser aller Leben hatten, dann wird schnell klar, dass für das Verständnis unserer Lebensweise heute, aber auch die Entwicklung in den letzten eineinhalb Jahrhunderten bis hier hin, ein „technisches Kulturdenkmal“ dies uns erklären kann. 

Besondere Denkmäler wie das Klärwerk sind Schlüsseldenkmale für diese Epoche. Dennoch konkurriert der „Wert“ eines technischen Kulturdenkmals mit anderen Prioritäten. Oft genug ist ja die schöne „Form“ das entscheidende, nicht die „Funktion“, der „geschichtliche Zusammenhang“. Der Erhalt und die industriearchäologische Bearbeitung sollten aber nicht hinter so manchem Kirchenbau oder auch der ein oder anderen Jugendstilvilla zurückstehen müssen. Tun sie aber.

Und das ist das Problem. Mit der Erhaltung der Einrichtungen im Gebäude steht und fällt der Wert der Anlage als ein technisches Kulturdenkmal. „Umnutzungen“ setzen aber die Zerstörung der technischen Einrichtungen voraus, eine leere Hülle würde zurückbleiben. Diese wird anschließend umgenutzt. Beim Klärwerk ist dies genau so geschehen, die Klärhalle wurde mit Betonrampen vollgestopft um es umzunutzen. Es ist ein Glücksfall, dass viele dieser „Fremdbauten“ nur oberflächlich die Erkennung seiner ursprünglichen Funktion stören, zudem auch rückgebaut werden können. 

Damit der gleiche Fehler einer falschen Umnutzung nicht wieder geschieht, muss es für die Instandsetzung, den daraus erst ermöglichten langfristigen Erhalt, die Öffnung für Besucher, deutlicher Fördermittel geben, als für „nur schöne“ Denkmäler. Die ehemalige technische Funktion als ein Teil der Denkmalbedeutung des Klärwerks, setzt für Umnutzungen einen äußerst begrenzten Spielraum. Man könnte auch sagen: es gibt das Thema Umnutzung bei einem „echten“ Industriedenkmal gar nicht. Es muss so erhalten werden. 

Gibt es andere vergleichbare Projekte in Krefeld?

Krefeld hat einige bedeutende Denkmale, die ungenutzt waren oder es auch noch sind. Einige werden von engagierten Eigentümern entwickelt, oder auch von Initiativen „übernommen“ und es entstanden oder entstehen erstaunliche Projekte daraus:

Historisches Stadtbad Krefeld 

Die Freischwimmer sind Krefelder*innen mit dem Ziel, das Stadtbad aus dem Jähre 1890 in der Neusser Straße neu zu entdecken und mit kreativen Aktionen im Rahmen einer Zwischennutzung zu beleben. Sie wollen ein Experiment wagen, das die Bedürfnisse der Bürger unserer Stadt sichtbar macht. Sehr spannendes gibt es hier: https://freischwimmer-krefeld.de

Historisches Bahnhofsgebäude Uerdingen

2017 hat das Tambour- und Fanfarenkorps Spielfreunde Uerdingen 1927 e.V. das Bahnhofsgebäude als Vereinsheim erworben und setzt es instand. 

Historische Weinbrennerei Dujardin

Die Familie Melcher erhält eine der bedeutenden industriellen Landmarken Uerdingens, die ehemalige Dujardin Weinbrennerei. Man kann das Gebäudeensemble bei Rundgängen durch das Brennerei Museum erleben oder aber im Restaurant Küferei speisen.

Uerdinger Werft 

Die ehemalige Uerdinger Werft (jene Wasserkante am Rhein entlang) wurde über 600 Jahre als der Hafen der Stadt Uerdingen genutzt. Heute besteht sie aus einem nicht entwickelten, aber zugänglichen Uferweg und einer Vielzahl von Gebäuden ehemaliger Speditionen und Fabriken, die heute fast alle ungenutzt sind und verfallen. 

Gut aufbereitete Informationen gibt es dazu und insgesamt zu Uerdingen von Horst Peterburs in die Geschichte der Rheinstadt Uerdingen. Grundsätzlich ist das gesamte Ensemble, aufgrund der Nähe zum „Chempark Uerdingen“ (das historische Bayer Werk), nur schwer umnutzbar. Die einzigartige „urbane Wasserlage“ Uerdingens wartet im Dornröschenschlaf. Geschichte und Tradition des alten Handelsortes mit einer modernen Umnutzung und diese dann mit dem historischen Ortskern Uerdingens zu vernetzen, ein Traum. Aber das ist fast schon Geschichte, die Gebäude sind in sehr desolatem Zustand. So bleibt nichts anders als Strukturen temporär umzunutzen: Was als einmalig geplante Aktion begann, ist hoffentlich nun fester Bestandteil der Kunst- und Kulturszene: Rhineside Uerdingen

Bauhaus in Krefeld

Überaus bekannt ist die Umnutzung der Industriegebäude des Bauhaus-Pioniers Ludwig Mies van der Rohe.  Mies van der Rohe Business Park.

Testserien

Was ist in den letzten Wochen geschehen? Wir haben vor allem Testserien zur Instandsetzung an einzelnen Bauteilen durchgeführt.

Insbesondere haben wir uns mit dem Salz auf den Wänden der Klärhalle beschäftigt. Ziel des Erhalts ist der letzte Farbauftrag, dessen Geschichte übrigens auch noch zu erforschen ist. Dazu wollen wir behutsam die Verschmutzungen entfernen aber den ablesbar gebrauchten Zustand ebenso erhalten.

Eine andere Testserie beschäftigte sich mit dem Verteilschieber. Hier haben wir untersucht ob und wie stark Eisstrahl-Verfahren helfen können, die oben auf liegende Korrosion zu entfernen. Das Problem ist hier ebenso aber das Salz sodass wir nun Rat suchen im Unesco Weltkulturerbe Rammelsberg um aus den dortigen Bemühungen Metall zu erhalten, dass in salziger Atmosphäre eingesetzt war, für uns zu lernen und ein praktikables schonendes Verfahren zu finden.

Zuletzt habe wir uns mit den Graffiti auf dem Lavabasalt beschäftigt. Diese können mit Wasserheissdampf gelöst werden. Leider ist aber der vor 111 Jahren aufgebrachte Putz auf den Außenwänden damit nicht zu reinigen. Alle Versuche führen hierbei zur Zerstörung der Bausubstanz. Vielen lieben Dank nochmal an den Sprayer „Tips“ der kräftig zum nun sehr problematischen Zustand beigetragen hat!