Warum ein technisches Kulturdenkmal langfristig erhalten werden muss und warum dies manchmal schwieriger ist

In Gesprächen hören wir recht oft die Bezeichnung „Wasserwerk“. Oder auch nur verkürzt: „aha, ist ja Jugendstil, sieht nett aus, sollte man erhalten“. Noch vor kurzer Zeit wusste niemand mehr so recht, welche genau Funktion im Gebäude war. Man nannte es lieber „Pumpwerk“ (zugegeben, wir auch). „Das ist eine Kläranlage?“ man wollte es gar nicht glauben, dafür sieht das Klärwerk ja fast schon zu „schön“ aus. Seit der Ausserbetriebsetzung 1962 wurde es statt Abriss ab 1980 kräftig umgenutzt, auch umgestaltet. Der Grund war: seine Schönheit. „Hauptsache es ist schön“ steht auch auf „aufgeklebten“ Buchstaben, Künstler sollen diese in den 80ern angebracht haben. Es ist unbestritten „schön“.

Genauso herausragend ist aber seine technische Funktion und seine spezielle Betonkonstruktion. Dazu genauso wichtig: die tiefen Zusammenhänge, die zur Erschaffung des Klärwerks führten. Wenn wir kurz mal darüber nachdenken, welches Ausmaß die Folgen der industriellen Umwälzungen des 19. und 20. Jahrhunderts auf unser aller Leben hatten, dann wird schnell klar, dass für das Verständnis unserer Lebensweise heute, aber auch die Entwicklung in den letzten eineinhalb Jahrhunderten bis hier hin, ein „technisches Kulturdenkmal“ dies uns erklären kann. 

Besondere Denkmäler wie das Klärwerk sind Schlüsseldenkmale für diese Epoche. Dennoch konkurriert der „Wert“ eines technischen Kulturdenkmals mit anderen Prioritäten. Oft genug ist ja die schöne „Form“ das entscheidende, nicht die „Funktion“, der „geschichtliche Zusammenhang“. Der Erhalt und die industriearchäologische Bearbeitung sollten aber nicht hinter so manchem Kirchenbau oder auch der ein oder anderen Jugendstilvilla zurückstehen müssen. Tun sie aber.

Und das ist das Problem. Mit der Erhaltung der Einrichtungen im Gebäude steht und fällt der Wert der Anlage als ein technisches Kulturdenkmal. „Umnutzungen“ setzen aber die Zerstörung der technischen Einrichtungen voraus, eine leere Hülle würde zurückbleiben. Diese wird anschließend umgenutzt. Beim Klärwerk ist dies genau so geschehen, die Klärhalle wurde mit Betonrampen vollgestopft um es umzunutzen. Es ist ein Glücksfall, dass viele dieser „Fremdbauten“ nur oberflächlich die Erkennung seiner ursprünglichen Funktion stören, zudem auch rückgebaut werden können. 

Damit der gleiche Fehler einer falschen Umnutzung nicht wieder geschieht, muss es für die Instandsetzung, den daraus erst ermöglichten langfristigen Erhalt, die Öffnung für Besucher, deutlicher Fördermittel geben, als für „nur schöne“ Denkmäler. Die ehemalige technische Funktion als ein Teil der Denkmalbedeutung des Klärwerks, setzt für Umnutzungen einen äußerst begrenzten Spielraum. Man könnte auch sagen: es gibt das Thema Umnutzung bei einem „echten“ Industriedenkmal gar nicht. Es muss so erhalten werden.